05.01.11

Nun musste auch der liebe Piet dran glauben und sich von mir löchern lassen. Piet ist der Blogger hinter Netzpanorama.de, selbstständiger Webworker und nach eigenen Aussagen hat er eine Tendenz zum Internetjunkie. Viel Spaß beim Lesen.

Das Interview

Hallo Piet, danke dass du dich bereit erklärt hast meine Fragen zu beantworten. Für die, die dich noch nicht kenne, stelle dich doch kurz vor.

Hallo zusammen. Mich vorzustellen ist immer eine Sache die mir ein paar Probleme bereitet, denn wirklich viel gibt es da nicht zu erzählen. Ich bin 27 Jahre alt und schon seit Jahren regelmäßig im Internet unterwegs, ich glaube schon seit es das erste analoge Modem gibt. Ich würde mich als ruhigen und umgänglichen Kerl mit einem offenen Ohr beschreiben, bei dem sich klar die Tendenz zum Internetjunkie abzeichnet. Denn auch nach all den Jahren begeistert mich das Internet fast jeden Tag aufs Neue.

Mit Netzpanorama.de betreibst du einen mittlerweile gut besuchten und auch beliebten Blog. Am 18.Januar 2010 hast du die Leser begrüßt. Wie hast du dir die Entwicklung deines Blogs an diesem Tage vorgestellt und wie hat dann die Realität ausgesehen?

Nun, im Grunde hat sich mein Blog genau so entwickelt wie ich mir das bereits im Dezember 2009 vorgestellt habe. Netzpanorama habe ich ja nicht als Frischling in der Blogosphäre begonnen, sondern es war für mich nur der nächste Schritt. Vor Netzpanorama habe ich bereits über 1 Jahr lang auf einem anderen Blog geschrieben, der mir jedoch aufgrund seiner Nischen-Domain einfach unbequem wurde. Mit meinem Werdegang als Blogger habe ich viele neue Interessen entwickelt, da musste eine Domain her die die Themenvielfalt des Internets wiederspiegelt und es mir ermöglicht zu schreiben worüber ich möchte. Das ist meiner Meinung nach gelungen. Es war natürlich eine große Hilfe dass mir die Leser meines alten Blogs Richtung Netzpanorama gefolgt sind und ich von vielen ein bisschen Starthilfe in Form einer Nennung bekommen habe.

Du schreibst auf Netzpanorama eigentlich über alles rund um das Netz! Hast du dir dennoch thematische Grenzen gesetzt wo du sagst – Hm…das kommt hier lieber nicht rein?

Ja, natürlich. Ich schreibe beispielsweise partout nicht über politische Dinge, auch wenn es mir manchmal unter den Nägeln brennt mich über bestimmte Themen auszulassen, besonders mit Blick auf die „Netzpolitik“. Ein anderes Beispiel sind sehr persönliche Dinge, quasi die Inhalte durch die Blogs, damals Online-Tagebücher, erst populär wurden.  Bis auf einige Ausnahmen wie beispielsweise Berichte über Neuanschaffungen oder persönliche Erfahrungen würde ich also niemals über mein Privatleben bloggen.

Was hast du mit Netzpanorama noch für Ziele. Wo soll es hingehen?

Nachdem nun bald das 1. Jahr geschafft ist, habe ich beschlossen mir erst mal keine besonderen Ziele festzustecken. Ich möchte einfach nur das Wuseln auf Netzpanorama erhöhen. Um zu verstehen was ich damit meine muss ich kurz erklären dass ich bei Blogs immer gerne die Parallele zum PC Spiel SimCity ziehe. Dort baut man aus vielfältigen Gebäuden eine Stadt mit Infrastruktur auf und kann dann zusehen wie die Männchen anfangen durch diese Stadt zu wuseln. Nicht anders ist es auch bei einem Blog der regelmäßig mit neuen Inhalten gefüllt wird, die Blogartikel verkörpern die Gebäude oder ggf. auch ganze Wohn- und Gewerbegebiete.

Im Grunde habe ich  mir also einfach nur die Parole „Wachstum“ auf die Fahne geschrieben. Denn dieses Wachstum in Form von täglichen Besuchern und Abonnenten ist einer der Aspekte die mich an Blogs am meisten faszinieren. Ansonsten soll es einfach weitergehen wie bisher.

Weg von Netzpanorama und ab zum Business allgemein. Du bist hauptberuflich selbstständig und zählst wohl auch in die Kategorie Webworker. Welche Eigenschaften sollte man deiner Meinung nach mitbringen um über kurz oder lang von Internet-Projekten leben zu können?

Da gibt es einiges was meiner Meinung nach wichtig ist. Man sollte kreativ sein und eigene Ideen haben und außerdem über genügend Geduld/Ausdauer verfügen, denn es gelingt wohl nur den wenigsten über Nacht von einem eigenen Internet-Projekt leben zu können.  In der Regel ist es wohl mit viel Arbeit und viel Zeit verbunden ein Projekt aufzubauen dass mehr abwirft als ein besseres Taschengeld.

Möchte man von einem eigenen Internet-Projekt leben sollte man auch über die Fähigkeit verfügen gut kommunizieren zu können, sprich man sollte sich schriftlich und telefonisch gut ausdrücken können. Das hilft ungemein, besonders wenn es darum geht wichtige Kontakte zu knüpfen. Ebenfalls kann es nicht schaden wenn man die Fähigkeit besitzt, sich diverse Dinge autodidaktisch selbst beizubringen, so dass man sich selbst weiterhelfen kann wenn.

Was sind deiner Meinung nach die lukrativsten Geschäftsmodelle um im Internet nachhaltig Geld zu verdienen?

Ganz schwierige Frage. Es gibt so viele Geschäftsmodelle zu denen ich noch keinerlei eigene Erfahrung habe. Eine persönliche Topliste kann ich daher leider nicht anbieten. Das Beste ist es wohl der erste zu sein der mit einem neuen Geschäftsmodell online geht und dieses dann intensiv und nachhaltig zu betreuen. Ansonsten gibt es wohl  für jedes Geschäftsmodell im  Internet ein positives Beispiel wo man sagen kann: „Der hat’s geschafft“.  Und natürlich gibt es bei jedem Modell viele Trittbrettfahrer wo es nicht geklappt hat. Im Grunde  geht es einfach nur darum der Platzhirsch in der jeweiligen Nische oder beim jeweiligen Geschäftsmodell zu werden was, wie oben schon gesagt, viel Kreativität, Zeit und Ausdauer erfordert.

Nun ist es kein Geheimnis, dass du nicht nur bloggst, sondern auch einiges vom Design-Handwerk verstehst. Gibt es in der Blogosphäre bestimmte Design-Schnitzer die dir immer wieder begegnen?

Danke für das Lob. Dinge die ich als echte Design-Schnitzer bezeichnen würde begegnen mir nur sehr selten. Da ich mich schon seit vielen Jahren mit Grafik- und Design befasse habe ich mittlerweile natürlich einen etwas anderen Blick auf solche Dinge und einen ziemlich eigenen Geschmack entwickelt. Daher würde mein Urteil über das Erscheinungsbild vieler Blogs mit „suboptimal“ oder „verbesserungswürdig“ enden. Aber das ist glaube ich ganz normal. Es gibt viele professionelle Designer die auf wesentlich mehr Erfahrung als ich zurückblicken können und so ein Urteil auch für meinen Blog fällen würden. Die Geschmäcker sind verschieden. Wichtig ist dass der Blogger selbst mit seiner Plattform zufrieden ist.

Wie wichtig ist deiner Meinung nach das Design in einem Blog? Gibt es besondere Merkmale, auf die man ein Auge haben sollte?

Für mich persönlich ist die Optik eines Blogs sehr wichtig, das muss einfach stimmig sein. Es kommt natürlich darauf an was man mit seinem Blog vor hat. Für eine schlichte Gedankensammlung reicht meiner Meinung nach ein minimalistisches Theme, bei dem der Content absolut im Mittelpunkt steht. Für meinen Blog, auf dem ich quasi Querbeet über Internet-Themen schreibe, muss es aber etwas auffälliger sein. Ich bin der Meinung das Branding sehr wichtig ist um bekannt zu werden und neue Besucher und Abonnenten anzulocken. Das Theme des eigenen Blogs ist die beste Möglichkeit dieses Branding, oder anders gesagt, den eigenen Wiedererkennungswert, zu optimieren. In meinen Augen lassen viele Blogger diese Chance ungenutzt indem sie ein Theme von der Stange verwenden und dieses nicht mal individualisieren. Beispielsweise durch ein eigenes Logo. Meine Wahl würde immer wieder auf ein kostenpflichtiges Premium Theme fallen das ich individuell an meine Vorstellungen anpasse.  Mit ein bisschen Kreativität und Fleiß kann jeder Blog ein einprägsames Unikat werden. Die Möglichkeiten sind vorhanden.

Zu den Merkmalen auf die man achten sollte gehört die Usability, insbesondere mit Blick auf interne Navigation. Auch eine harmonische Farbwahl ist wichtig. Der wichtigste Punkt ist für mich jedoch die Typographie und Textgestaltung. Die verwendete Schrift muss gut lesbar sein und man sollte zwischendurch kleine Überschriften und Absätze verwenden.  Mein persönlicher Tick ist es übrigens dass alle Artikel im Blocksatz publiziert werden müssen damit es an den Seitenrändern harmonisch wirkt.

Vom Design zum Text – Wer deine Texte regelmäßig liest, weiß auch was du hier drauf hast. Du verstehst es dich auszudrücken. Nun sind nicht alle die Bloggen von Natur aus auch gute „Schreiber“. Was sind für dich aber die Grundvoraussetzungen wenn man einen Blog starten möchte?

Auch hier nochmal vielen Dank für das Lob. Um einen Blog zu starten muss man nicht zwingend ein guter Schreiber sein. Ich bin der Meinung diese Fähigkeit entwickelt sich bei vielen erst mit der Zeit. Wenn man neben der Erstellung eigener Text auch noch auf anderen Blogs liest, eignet man sich unbewusst viel davon an und bereichert den eigenen Wortschatz. Man lernt es sich zu artikulieren. Meine ersten Blogartikel sind, verglichen mit heutigen Artikeln, auch sehr monoton.

Die Grundvoraussetzungen für einen eigenen Blog sind also im Grunde nur Ausdauer, Lernbereitschaft und die Fähigkeit ein Programm zur Rechtschreibprüfung zu benutzten um die ärgsten Fehler zu finden. Achja, natürlich ist es nicht verkehrt wenn man mit ein paar Fingern schreiben kann und schon über das 1-Finger-Adler-Suchsystem hinaus ist.

Welche 5 Blogs kannst du meinen Leser ans Herz legen. Was sollte deiner Meinung nach in keinem Feed-Reader fehlen?

Mal wieder eine schwierige Frage. Blogs die ich, auch mit Blick auf die Fragen in diesem Interview, auf Anhieb empfehlen würde, finden sich fast allesamt in der Blogroll. Ausserdem kenne ich doch so viele tolle Blogs. Ich mache es mir mal einfach und nenne 5 Blogs die ich in den letzten Wochen sehr gerne gelesen habe.

Etwas Eigenwerbung? Auch dafür ist Platz:

Na dann will ich die Chance mal ergreifen. Ich freue mich über neue Feedleser, Twitter-Follower und Facebook-Fans die meine Artikel auf Netzpanorama verfolgen möchten.

Piet, ich danke dir vielmals für die Beantwortung der Fragen. Ich weiß ja wie viel du um die Ohren hast und freue mich deshalb besonders, dass du dir die Zeit genommen hast.

Ich habe zu danken, denn ich freue mich nochmal ein Interview mit solch interessanten Fragen bekommen zu haben. Ob die Leser bis hierher durchgehalten haben?

Das erfahren wir vielleicht in den Kommentaren 😉


Und auch hier kommt neben Kreativität auch wieder Zeit und Ausdauer als Faktoren des Erfolgs ins Spiel. Piet ist auch wirklich einer von denen, die den ganzen Tag ackern bis die Tastatur glüht. Aber er verdient seine Brötchen damit und zeigt aufs Neue, dass man von der Arbeit im Internet leben kann.

Auch wenn die Links schon im Text zu finden sind, möchte ich sie hier nochmal notieren. (z.B. für die, die das Interview nicht bis zum Ende schafften oder wie gewohnt gleich die Links am Ende des Interviews suchen):

Netzpanorama: BlogRSSFacebook
Follow Piet: @hasumifrabu

Über den Autor Ralf Bohnert

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8 Kommentare für “Interview mit „Internetjunkie“ Piet von Netzpanorama.de”

  1. „…die Tendenz zum Internetjunkie abzeichnet…“ Haha Piet. Du steckt schon Knietief drin! Willkommen im Club 😀

  2. Gleich mal vorweg – ich habe bis zum Schluß durchgehalten 🙂
    Und auch gleich mal ein allgemeines Lob. Die Interviews gefallen mir alle sehr. Doch meist kommentiere ich nicht, da ich nicht dazuzusagen habe außer „Gut so, bitte mehr davon“

    Mella

  3. Schönes und interessantes Interview, habe auch bis zum Schluss durchgehalten und hast jetzt einen Facebook-Fan mehr. 🙂

    Ich denke Ziele sollte man sich schon irgendwie stecken, denn wuselt man sonst nicht vielleicht zu viel rum oder verstrickt sich? Ich habe genau das Gegenteil gemacht, ehrgeizige Ziele gesetzt, um auch wirklich aktiv am Ball zu bleiben.

  4. @Andreas Hihi, ja manchmal glaub ich auch dass ich schon knietief drinstecke. Wenigstens bin ich da in guter Gesellschaft 😛

    @Mella Danke fürs durchhalten. Ich stimme dir übrigens zu, Ralf macht das richtig gut mit den Interviews, da darf er künftig gern noch weitere Blogger mit Fragen löchern 🙂

    @Max Für 2010 hatte ich mir auch viele Ziele gesteckt. Dieses Jahr verzichte ich mal darauf, denn durch zu viele Ziele kann man schnell unschönen Druck aufbauen der zu so einer Art temporärem Burn-Out führt. Letztes Jahr habe ich das selbst erlebt. Zig Dinge auf der ToDo Liste und dutzende Sachen die ich mal „ganz schnell“ machen wollte.

    Ehrgeiz ist sowieso vorhanden, alles andere darf im Jahre 2011 mal vor sich hin plätschern damit die Motivation vorhanden bleibt. Ich sehs als Experiment an und schaue wie weit ich komme 🙂

  5. @Andreas und Piet, stecken wir Blogger nicht alle knietief drin? Aber wie Piet schon sagte. Da ist man ja in guter Gesellschaft 😉

    @Mella und Piet, danke für die Blumen. Da zahlt sich die Mühe der individuellen Fragen aus. Natürlich wird es weitere geben, solange die Interview-Partner so fleißig mitmachen wie bisher.

    @Max, meiner Meinung nach braucht man Ziele. Und gerade der Druck, soll einen eigentlich dazu bewegen auch wirklich Dinge umzusetzen und nicht nur davon zu reden. Aber wenn man merkt, es geht in die falsche Richtung (wie es bei Piet teilweise wohl war), dann muss man auch in der Lage sein rechtzeitig das Ruder rumzureißen. Piets Experiment finde ich spannend. Bin ich mal gespannt 😉

  6. @Piet
    Dann kann das natürlich sinn machen, es einmal so zu probieren. Bin ich ja auch mal gespannt, wie sich unser beiden Jahr eben mit und ohne Ziel ergeben wird.

  7. „…..Im Grunde habe ich mir also einfach nur die Parole „Wachstum“ auf die Fahne geschrieben.“ –>

    Das finde ich, ist eine gute und richtige Einstellung. Schreibt man nur des Geldes wegen und ohne Leidenschaft, dann geht die Sache meistens nach hinten los.

    Viele Grüße

    Jenni von schichtarbeit.at

  8. Habe heute erst diesen artikel entdeckt. Ich bin vor einigen Wochen durch einen Link bei Crazytoast auf Netzpanorama gestossen und habe diesen Blog direkt in meine Lesezeichenliste aufgenommen. Zur Zeit findet allerdings nicht viel statt dort, wahrscheinlich weil Piet viel mit dem Simsalaseo-Wettbewerb um die Ohren hat 🙂
    Ich habe das Bloggen gerade erst neu entdeckt und suche derzeit nach anderen Blogs, an denen ich mich ein wenig orientieren kann – Netzpanorama gehört auf jeden Fall dazu! Viele Grüße, Uli

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