27.05.15

Gastartikel von Sebastian Kuehn – Die ersten Zeilen dieses Artikels schreibe ich auf dem Flughafen in Moskau. Hier sitze ich für knapp sechs Stunden fest und warte auf meinen Anschlussflug. Ich nutze also die Zeit, packe mein digitales Büro aka. Laptop aus und möchte dir in diesem Gastbeitrag etwas über den Lifestyle der digitalen Nomaden erzählen.

Gerade komme ich aus Berlin, wo am letzten Wochenende (07. – 10.05.2015) die 3. DNX stattfand. Die erste Digitale Nomaden Konferenz wurde mit etwas über 100 Teilnehmern in einem Coworking Space ausgerichtet. Ein Jahr später waren es bereits knapp 500 begeisterte Menschen, die sich unter zunehmendem Medieninteresse im Kino Babylon trafen.

Hast du schon vom Begriff des digitalen Nomaden gehört? Als solche bezeichnen sich Webworker und Online Unternehmer, die von ihrem Laptop aus ihr Business aus der ganzen Welt steuern können. Auch wenn es sich immer noch um eine Randerscheinung handelt, interessieren sich mehr und mehr Leute für einen solchen selbstbestimmten Lifestyle.

Fragst du dich jetzt, was denn eigentlich der Unterschied zu all den existierenden Freiberuflern und Online Unternehmern ist? Eigentlich nur, dass digitale Nomaden den Hang zum Reisen haben und für mehrere Monate im Jahr recht minimalistisch aus dem Handgepäck leben.

Womit digitale Nomaden ihr Geld verdienen

Eigentlich mit so ziemlich allem, das digital erbracht werden können. Die Palette reicht von klassischen Freiberuflern (Übersetzer, Programmierer, Coaches, …) bis hin zu Unternehmern, die elektronische Produkte verkaufen. Viele von uns nutzen einen Blog als Plattform, den sie monetarisieren und darüber verschiedene Informationsprodukte (E-Books, Videokurse, Software) verkaufen.

Um möglichst unabhängig vom Zeitaufwand zu sein, versuchen wir uns möglichst passive Einkommensströme aufzubauen. Das bedeutet, raus aus der Zeit-gegen-Geld-Falle und hin zu Produkten, die durch automatisierte Prozesse keine direkte Anwesenheit erfordern.

Warum das digitale Nomadentum rockt

Mal abgesehen davon, dass die Bilder vom Webworker am Strand recht plakativ sind, ist es schon ziemlich cool, dass man von den schönsten Plätzen der Welt aus arbeiten kann. Alles was es braucht, ist ein bisschen Hardware, die richtigen Tools und funktionierendes Internet.

Ein riesengroßer Vorteil des ortsunabhängigen Arbeitens wird als Geo Arbitrage bezeichnet. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als dass die Einkünfte (die unabhängig vom Aufenthaltsort sind) in Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten deutlich mehr wert sind. Anstatt immer mehr Geld verdienen zu müssen, entfliehen viele digitale Nomaden dem kalten deutschen Winter und leben kostengünstig in Thailand, Indonesien oder Lateinamerika.

Aber nicht alle digitalen Nomaden zieht es ständig in die Ferne. Viele bleiben daheim im Home-Office oder im Coworking Space um die Ecke. Dank der flexiblen Ausrichtung ihrer Tätigkeiten sind sie in der Lage, viel Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und ihren Arbeitsplatz jederzeit wechseln zu können.

Mit dem nomadischen Leben kommt in der Regel auch ein minimalistischer Lifestyle. Viele von uns reisen ausschließlich mit Handgepäck, haben wenig Besitztümer und verzichten auf langfristige Verträge. Den meisten digitalen Nomaden geht es darum, Erfahrungen zu sammeln, anstatt Besitz, Geld und Verbindlichkeiten anzuhäufen.

Womit digitale Nomaden täglich zu kämpfen haben

Über die Schattenseiten dieses Lifestyles wird selten gesprochen, aber natürlich gibt es sie. Das allergrößte Missverständnis ist wohl, dass Nomaden gleichzeitig reisen und arbeiten. Hast du schon mal probiert alle 3 Tage den Ort zu wechseln und nebenbei aktiv Projekte voranzubringen? Pustekuchen. Die meisten von uns suchen sich einen Ort an dem sie mehrere Monate bleiben. Echtes Reisen und Arbeiten, das schaffen bzw. wollen nur die wenigsten.

Optimale Arbeitsbedingungen und -routinen sind bei regelmäßig wechselnden Orten einfach nicht möglich. Dazu kommen Zeitverschiebung, Eingewöhnung in Kultur und Sprache sowie das ständige Ein- und Auspacken. Produktives Arbeiten außerhalb des Wartungsmodus geht also nur, wenn es eine mehrwöchige Homebase gibt.

Essentiell ist natürlich das Internet, ohne das der digitale Nomade ganz schnell zum analogen Nomaden wird. Die unzuverlässigen und teilweise schlechten Verbindungen in Asien und Südamerika können schon ganz schön nerven. Etwas gegensteuern kann man hier über eine lokale SIM Karte mit Datenflat.

Dann gibt es die bürokratischen Hürden, denen man begegnet, sobald man länger im Ausland unterwegs ist. Das reicht von der Visumsbeantragung über die Krankenversicherung im Ausland bis hin zu Steuerfragen und der Abmeldung des Wohnsitzes aus Deutschland.

Also, alles andere als ein Kindergeburtstag. Aber wer die Freiheit liebt, der ist auch gewillt sich mit diesen nervigen Themen herumzuschlagen.

Das digitale Büro

Wer viel reist, der muss möglichst leicht unterwegs und und weltweit erreichbar sein. Ein digitaler Nomade hat in der Regel kein physisches Büro (Ausnahme Home-Office), sondern mietet sich tage- oder wochenweise in einem Coworking Space ein oder arbeitet aus einem Café.

Herkömmliche Büroausstattung wie Telefon, Scanner und Aktenordner werden durch digitale Lösung ersetzt. Neben den Apps, die jeder nach seinem Bedarf und seinen Vorlieben benutzt, gehören zum digitalen Büro vor allem die folgenden Dinge:

Wo du auf andere digitale Nomaden triffst

Die Spezies der digitalen Nomaden findest du vor allem in Coworking Spaces und Cafés, wo du sie meist an ihrem aufgeklappten Macbook erkennst. In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit, einen Nomaden in freier Wildbahn zu sehen, in Berlin mit Abstand am größten.

In Europa sind auch Südspanien und Portugal beliebt. Über die Wintermonate verschlägt es viele nach Chiang Mai und Bangkok in Thailand, Saigon in Vietnam, Bali auf Indonesien, Medellin in Kolumbien, La Paz in Bolivien und viele weiteren Orte in Ländern mit geringen Kosten und freundlichen Visabestimmungen.

Da digitale Nomaden weit in der Welt verstreut sind, entstehen immer mehr Plattformen, auf denen online ein reger Austausch stattfindet. Das beinhaltet Facebook Gruppen, Foren und nicht zuletzt die Community My Wireless Life.

Letztere habe ich vor ca. einem Jahr ins Leben gerufen, um einen Ort des Austausches und des gemeinsamen Lernens zu schaffen. Ich würde mich riesig freuen, dich dort willkommen zu heißen. Ansonsten wünsche ich dir bei deinen Vorhaben alles Gute!


Über Sebastian

Sebastian ist ein 32-jähriger Blogger und Online Unternehmer, der seine Homebase seit 2012 in Shanghai hat. Auf seinem Blog Wireless Life schreibt er über den Aufbau eines Online Business und das Leben als digitaler Nomade. Auf My Wireless Life bietet er (angehenden) Bloggern, Online Unternehmern und Freiheitsliebenden eine Plattform zum Austausch, Netzwerken und gemeinsamen Lernen.

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