20.07.12

Gastartikel von Kai Thrun – Es ist eine Weile her, dass ich mit Ralf über das Thema sprach. Wir tauschten einige Gedanken aus, wie wir es öfters tun. Ich fragte ihn, ob ich einen Gastartikel bei ihm im Blog schreiben dürfte und er hatte nur eine Bedingung: Er würde selbst gern darüber nachdenken wollen.

Wenn man es nüchtern betrachtet, ist eine Etablierung eines Blogs eine Frage der Zeit. Für viele Blogger ist der Blog „ihr Baby“ und wenn man ihn als solches betrachtet, liegt (meine favorisierte) Analogie zur Schwangerschaft nicht so fern. 5 Minuten Spaß, um nach 9 Monaten zu sehen, was daraus geworden ist. Sicherlich dauert die Einrichtung eines Blogs ggf. ein paar Minuten länger. Die Karenzzeit von 9 Monaten ist aber ein gutes Maß, um die erste Bilanz zu ziehen. Wieso? Entweder man schreibt noch begeistert wie am ersten Tag oder man hat nach 2-3 Reanimierungsversuchen aufgehört. Dann sollte man eben vom Bloggen Abstand nehmen.

Für mich ist Bloggen eine Sucht, Therapie und Lebenseinstellung. Ich bin Kai Thrun und ich schreibe in meinem Blog über Social Media, (digitales) Marketing, Unternehmenskommunikation und über das Bloggen selbst inkl. WordPress. Mehr Informationen habe ich dir bereits hinterlegt.
Etwas zu etablieren. Die Definition ist sicher schwammig, aber es gibt einige Regeln, die sonst ebenfalls gelten, wenn man sich etwas etablieren möchte. Gerade die falsche Motivation führt oft in eine Sackgasse.

Falsche Motivation

Besonders Anfänger neigen dazu, sich an der Spitze zu orientieren. Sich etwas Gutes abgucken ist sicherlich förderlich, allerdings sich auf die gleiche Treppe stellen, ist einfach bremsend. Oftmals werde ich gefragt, wie oder was ich etwas anstelle und bekomme dann in 2. Instanz die Antwort „Ja, aber ich habe auch nicht so viele Besucher wie du“. Das Interessante ist, dass meine Gesprächspartner nicht wissen, wie viele Besucher ich eigentlich habe. Es ist auch nicht (so) wichtig. Ich finde es für mich wichtiger zu wissen, wer mich liest. Und wenn ich eine Botschaft habe, dass diese bei der betreffenden Person auch ankommt. Wenn ich ein Problem löse und ich damit mindestens einer Person geholfen habe, habe ich mein Ziel ebenfalls erreicht. Meine Motivation ist es, anderen Menschen Lösungen zu bieten und neue Gedanken / Wege aufzuzeigen. Manchmal möchte ich auch einfach nur meine bescheidene Meinung loswerden.

sekundäre Ziele

Besucherzahlen, Likes, Follower – diese ganzen Zahlenspiele sollten anfangs Sekundärziele sein. Denn wer nicht sein Lohn und Brot mit dem Bloggen verdient, der hat nur ein Hobby oder eine Nebenaufgabe. Zweifelsohne kann dies gerade bei (kleinen) Unternehmen sehr unterstützend wirken, es ist aber eben nicht die Kernaufgabe. So wie andere Fußball spielen in irgendwelchen Amateurklassen, wo es darum geht, dass man sich sonntags einfach mal bewegt. Die Hürde, die hier zu nehmen ist, ist bei Misserfolg nicht zu verkrampfen. Natürlich habe ich auch Tage und Wochen, wo die Besucherzahlen völlig ins bodenlose Fallen. Es sollte einen aber nicht davon abhalten, seine Sache weiter zu bestreiten.

externe Ratgeber

Ein großes Stück meiner Motivation machen einige Leute aus, die ich jederzeit um Rat fragen kann. Sie geben mir Themen, eine Überschrift oder eine inspirierende Idee. Vielleicht schreiben sie auch und können euch auch fachlich unter die Arme greifen. Es ist eben wie im Sport – man sollte gewillt sein, seine Fähigkeiten ständig zu verbessern. Die Art zu schreiben, die Wortwahl oder die Gliederung werden sich früher oder später ohnehin ändern.

Vernetzung außerhalb des Themas

Einer der wichtigsten Punkte ist für mich die Vernetzung außerhalb des eigenen Kernthemas – sofern man eines hat (muss bei einem privaten Blog ja nicht der Fall sein). Dies ist recht einfach zu begründen: Man hat keine gemeinsame Schnittstellen, womit das Konkurrenzdenken wegfällt. Man schubst sie evtl. etwas eher die Leser zu, als man es bei einem gleich gesinnten Blog tun würde. Natürlich macht dies niemand im Internet (zumindest nicht, wenn man ihn direkt fragt). Es ist wichtig für neue (Schreib)Triebe über den Tellerrand zu schauen.

3 Knackpunkte

Es sind 3 Knackpunkte, die ich euch mit auf den Weg geben möchte:

Haltet durch! Ich habe immer wieder Phasen, wo ich den Blog einfach schließen will – interessanterweise schreibe ich nach diesen Durstphasen, die höher frequentierten Texte.
Klappe halten (wenn man keine Ahnung hat).

Es gibt immer mal Themen, wozu man einen Rant loswerden möchte. Es ist auch oft üblich, in dieselbe Kerbe wie zu schlagen. Ich rate euch anfangs davon ab – meistens macht man mehr kaputt, als es kurzfristig gebracht hätte.

Macht euer Ding. Es ist euer Blog. Ihr seid der Chef im Ring. Niemand anders. Lasst euch bei Layout, Schriftstil, Inhalten beraten – aber lasst euch nie nie nie niemals von jemand anders betratschen, wie ihr euren Blog zu führen habt. Die Leute lesen oder werden den Blog lesen, weil ihr ihn so führt, wie ihr ihn führt. Konstruktive Kritik annehmen, analysieren und ggf. seine Schlüsse daraus ziehen. Übrigens werden euch genauso viele Leute wegen dieses Verhaltens nicht lesen. Einige tragen lieber Nike statt Adidas, Mac / Windows, schwarz / weiss etc…

16 Kommentare für “Einen langen Atem beim Bloggen behalten”

  1. Einmal mehr inspirierende Worte zum Thema Blogging. Habe besten Dank, Kai :)

    In dem ein oder anderen Satz finde ich mich auch wieder. Nach einer gewissen Zeit zweifelt vermutlich jeder an der Bloggerei. „Was bringt das alles überhaupt?“. Bei mir verhält es sich da ähnlich wie bei dir, ich gebe mein Wissen gern weiter. Sobald einer Person geholfen wurde, hat es sich gelohnt. Ich springe heute noch jedes Mal im Kreis, wenn ich einen dankenden Kommentar unter meinen Blogposts sehe.

    Durchhalten ist wohl das wichtigste. Nicht auf die Zahlen verlassen. Langfristig siegt Qualität vor Quantität. Wenige Leser, die sich mit den Texten auseinander setzen und konstruktives Feedback geben, sind mMn wichtiger als viele Leser, die nur kurz die Texte überfliegen. Letztere sind auch die, die nachher am lautesten meckern, wenn etwas mal nicht passt. Darum schließ ich mir dir an: als BloggerIn sollte man einfach sein Ding machen. Fertig.

    Viele Grüße,
    Enno

  2. Feiner Artikel für Blogger!

    Vor gut einem Jahr hab´ ich meinen Blog gestartet, und insofern habe ich mich in Deinem Artikel mehrmals wiedergefunden.

    Gerade, wenn man seinen Blog nicht hauptberuflich, sondern quasi als Hobby, als geistige Bereicherung führt, sollte man immer Freude am Schreiben haben und eben einfach sein Ding machen.

  3. Bei mir wird es eher immer mehr als weniger mit Bloggen, wenn auch nicht gleichmäßig verteilt, was an vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten liegt.

    Dafür mag ich bald einen zweites Blog zum Thema Lebens- / BU-Versicherungen machen, da werde ich Dich demnächst auch mal um Deine Meinung bitte, Kai 😉

    Ansonsten: Schreib ruhig noch mehr übers Bloggen, die Beiträge sind klasse!

  4. Bei mir hast du dein Ziel erreicht, ich denke nach!

    Toller Artikel. Und ich denke du hast Recht mit dem was du sagst. Gerade als Anfänger kann man viel falsch machen, aber mit jedem Fehler lernt man auch. Gerade beim Blogging. Das wichtigste ist einfach weiter zu machen und nicht aufzugeben.

  5. Toller Artikel. Keine Lust oder kein Thema über das man bloggen könnte hat jeder mal. Auch ich habe schon viel mehr Zeit mit meinem Blog verbracht. Hin und wieder habe ich einfach Lust über was zu schreiben und dann tue ich das auch. Ich lasse mir von keine sagen wann ich was und wie zu tun habe.

    Wer nur wegen bestimmten Gründen wie zum Beispiel nur wegen dem Geld beginnt soll am besten direkt wieder damit aufhören!

    Von meinem Blog weiß ich das ich ganz viele regelmäßige Leser habe. Aber das komische ist das genau diese selten kommentieren oder gar überhaupt nicht. Ich finde es immer wieder lustig zu erfahren das jemand mein Blog kennt aber sich dort nie bemerkbar macht.

    Aber ich persönlich verhalte mich auch nicht besser. Diesen und den Blog von Kai habe ich schon ewig in meinem Reader. Ob ich schon einmal da kommentiert habe oder die beiden mich kennen? Ich habe keine Ahnung!

    In diesem Sinne…durchhalten und viel Spaß beim bloggen :-)

  6. Mein Blog wird bald vier und ich kann das ebenfalls nur bestätigen. Spaß am Bloggen ist zwar meiner Meinung nach das wichtigste, Durchhaltevermögen kommt aber gleich dahinter.

    Und wenn es mal wirklich nicht mehr geht, z.B. weil es zeitlich einfach nicht geht, kann man auch immer mal einen Gang runter schalten oder eine komplette Pause einlegen. Ich sag euch, spätesten nach zwei Woche kribbelt es wieder in den Fingern und die Lust ist wieder da 😉

  7. Ich schätze dein Ziel hast du erreicht.

    Blogging ist nicht immer eine leichte Sache – eigentlich ist es das fast nie und du hast vollkommen Recht. In diesem Sinne – niemals aufgeben – niemals kapitulieren 😉

  8. Bloggen ist doch wie alles im Leben: Nur Durchhalten bringt einen weiter. Wenn man keinen Spaß an der Sache hat beziehungsweise irgendwann merkt, dass das Durchhalten zur Qual wird, sollte man es lassen. Wenn man sich aber mit Liebe und Lust darauf einlässt, geht es einem so wie Hubert: Man bloggt eher mehr als weniger und findet immer etwas Neues, um darüber zu schreiben. Das jedenfalls ist meine Erfahrung.

  9. Hi Kai,

    haha, die Analogie zur Schwangerschaft finde ich ja mal richtig geil. Darauf wäre ich nie gekommen. Du hast mir ein richtiges Lächeln auf die Lippen gezaubert. Danke schön! :)

    Ich finde es auch wichtig, dass man versucht mit einem Blogpost Menschen zu helfen (und das versuche ich auch immer).

    Außerdem ist Kontinuität (wie du es bereits sagst) ein sehr wichtiger Faktor, um mit dem Blog erfolgreich zu werden.

    Viele Grüße
    Vladislav

  10. Dankeschön, das sind wirklich gute Tipps. Ich blogge seit Anfang Februar diesen Jahres und muss sagen, es macht richtig Spaß. Als Last habe ich es noch nie empfunden! Aber die 9 Monate sind ja auch noch nicht rum 😉

    Viele Grüße aus Hessen!

    Jörg

  11. Interessante Gedanken, die man sich immer mal wieder durch den Kopf gehen lassen kann. In meinem Fall (ich blogge seit Ende 2007) hat es eigentlich bisher noch keine Phase gegeben, dass ich damit aufhören wollte. Mittlerweile schreibe ich drei, thematisch sortierte Blogs, die teilweise mit anderen Hobbys von mir parallelisieren.
    Wobei: Es gibt schon „kritische Momente“, die aber auch nicht länger sind als Momente. Wenn ich einige Foodblogs lese, die Qualität der Texte und auch und vor allem der Bilder sehe und das dann mit meinem herdnerd.de vergleiche, denke ich drüber nach, aufzuhören. Aber nur ganz kurz, denn es macht einfach noch zu viel Spaß und ich mache weiter. Aber ich setze mich auch nicht unter Druck, eine gewisse Quantität zu erreichen. Wenn mir nichts einfällt, schreibe ich auch nichts.
    Der andere Auslöser „kritischer Momente“ heißt Piwik. Oder eben Nutzerstatistik. Aber, und das ist ein wichtiger Gedanke vor allem für allem, die gerade anfangen: Man macht einen Blog in erster Linie für sich. Und wenn es auch noch andere interessiert, dann ist es umso schöner. Wenn man aber hohe Nutzerzahlen haben, sollte man nicht nur im eigenen Blog schreiben, sondern in themennahen anderen Blogs auch kommentieren. Natürlich in der gleichen Qualität und mit Link.

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